Nachfolgend finden Sie die Antworten auf die häufigsten Fragen - von der Funktionsweise des Kraftwerks bis zur Brennstoffzusammensetzung.
Es ist unser gemeinsames Ziel, mit dem Kraftwerk eine bessere Versorgung mit Wärmeenergie für Industrie- und Gewerbebetriebe sowie private Haushalte in Frastanz und darüber hinaus sicherzustellen. Gerade die Rondo Ganahl AG ist dabei in einer sehr herausfordernden Situation: Sie hat für die Produktion von Rohpapier einen hohen Bedarf an thermischer Energie und ist der größte Vorarlberger Erdgasabnehmer. Zudem erfordert die geopolitische Lage Lösungen. Wir müssen uns aus bestehenden Abhängigkeiten lösen und uns um eine eigenständige, autarke und zukunftsfähige Energieversorgung bemühen.
Immer wieder erleben wir enorme Preissteigerungen, gerade bei Energie und Rohstoffen. Auch Verknappung mussten wir schon erleben. Wir sehen und spüren das alle beim täglichen Einkauf von Lebensmitteln, beim Tanken oder bei den Heizkosten. Grund dafür sind aktuelle Krisen, zum Beispiel Russland/Ukraine oder der Nahostkonflikt, die für große Unsicherheiten sorgen. Um das zu ändern, brauchen wir Initiativen wie die „Energieautonomie Frastanz“.
Ja, und zwar umfassend. Nach aktuellem Stand gibt es keine verfügbare Technologie, die zuverlässig und ausgereift genug ist, um unsere Papierproduktion rund um die Uhr, das ganze Jahr über mit Energie zu versorgen. Wir verfolgen die Entwicklungen im Bereich der emissionsfreien Technologien (Hochtemperatur-Wärmepumpe, Power-to-Heat). Derzeit und auch in absehbarer Zeit sind keine wirtschaftlichen Alternativen für die Energieversorgung der bestehenden Papiermaschine verfügbar, die auch den technischen Anforderungen an die Verfügbarkeit entsprechen.
Das geplante Kraftwerk liefert 140 GWh thermische Energie sowie 60 GWh elektrische Energie – insgesamt deckt es also mit seiner Leistung umgerechnet den Gaswärmebedarf von rund 10.000 sowie den Strombedarf von weiteren rund 20.000 Vorarlberger Haushalten ab.
Durch die Erweiterung der Nahwärme in Frastanz können zahlreiche weitere Verbraucher (private, öffentliche, gewerbliche) ihre Gebäude an das Leitungsnetz anschließen und beheizen.
Auf diese Weise kann ein zusätzliches Angebot für all jene geschaffen werden, die ihr Heizsystem auf Nahwärme umstellen möchten.
Die Wärme aus dem Kraftwerk und die Abwärme der Papierfabrik wären sogar ausreichend, um theoretisch die Stadt Feldkirch mit Nahwärme zu versorgen. Das Potenzial ist groß.
Das Kraftwerk erzeugt die Energie dort, wo sie benötigt wird.
Durch dessen bedeutende Kapazität können neben der Rondo Ganahl AG weitere Gewerbebetriebe und private Haushalte mitversorgt werden.
Wir verwerten in Vorarlberg anfallende Reststoffe und nutzen die darin enthaltene Energie selbst. Dieser wertvolle Energieträger muss nicht mehr im Ausland entsorgt werden. Wir sind weiters abhängig davon, dass andere unsere Abfälle verwerten. Dies ist auch mit einem rechtlichen Risiko verbunden, wie zum Beispiel die Diskussion zur EU-Abfallverbringungsverordnung mit einem Exportverbot in die Schweiz zeigte.
Zudem werden die Reststoffe aus der Papierproduktion der Rondo Ganahl AG an Ort und Stelle verwertet. Dieses Material muss heute noch per Lkw zur Verwertung nach Deutschland und in die Schweiz transportiert werden – diese Lkw-Fahrten könnten zukünftig eingespart werden.
Wir schaffen einen großen Schritt raus aus der Energieabhängigkeit von ausländischen und unsicheren Gaslieferanten.
So sichern wir die Arbeitsplätze unserer Mitarbeitenden sowie deren Familien und sind auch in Zukunft ein verlässlicher Partner für unsere Kunden.
Die Standortwahl entspricht den allgemeinen Anforderungen des UVE-Leitfadens, in dem ausdrücklich festgehalten wird, dass die Standortwahl der entscheidende Faktor für die Energieeffizienz einer Mitverbrennungsanlage ist. Das Kraftwerk wird direkt am Ort des Energiebedarfs errichtet – bei der Papierfabrik. Dadurch können zusätzliche Energieverluste, lange Leitungswege und unnötige Transporte vermieden werden. Die erzeugte Wärme wird unmittelbar genutzt.
Die Papiermaschine ist der größte Wärmeverbraucher in Vorarlberg und gewährleistet eine ganzjährige, kontinuierliche Wärmeabnahme, was einen besonders effizienten und stabilen Anlagenbetrieb ermöglicht. Darüber hinaus sind weitere Wärmeabnehmer berücksichtigt, wie etwa die Brauerei Frastanz eGen. Auch die Bereitschaft zur Abgabe von Nah- und Fernwärme besteht weiterhin.
Im Rahmen der Standortprüfung wurden auch Standortalternativen untersucht. Geeignete, ausreichend große Flächen außerhalb des Betriebsgeländes stehen jedoch nicht zur Verfügung, insbesondere da sich diese nicht im Eigentum des Unternehmens befinden. Ein Bau auf Fremdeigentum ist bei einer Investitionssumme von über 110 Mio. € wirtschaftlich und rechtlich nicht realistisch. Insgesamt ermöglicht der gewählte Standort eine maximale Energieeffizienz, eine optimale Nutzung der erzeugten Wärme sowie eine wirtschaftlich und ökologisch sinnvolle Umsetzung des Projekts.
Pläne dafür gibt es schon länger. Die aktuelle geopolitische Lage verdeutlicht jedoch die Dringlichkeit einer zukunftsfähigen und mutigen Lösung wie die Initiative „Energieautonomie Frastanz“. Einen langen Atem braucht es auf jeden Fall: Von der ersten Idee bis zur geplanten Inbetriebnahme im Jahr 2029 sind bereits mehr als 8 Jahre vergangen.
Das Kraftwerk ist so groß ausgelegt, dass die Rondo Ganahl AG sich mit Strom und Wärme nahezu selbst versorgen kann.
Die benötigte Grundfläche beträgt 3.600 Quadratmeter (60 x 60 Meter) und befindet sich vollständig auf dem Firmengelände der Rondo Ganahl AG.
Die Bauwerkshöhe beträgt ca. 35 Meter (Kaminhöhe: 45 m) und wird sich nahtlos in die bestehenden Gebäude bei der Rondo Ganahl AG einfügen.
Die Umsetzung des Kraftwerks soll, abhängig vom Verlauf des Umweltverträglichkeitsverfahrens, bis 2029 erfolgen.
Zeitplan:
Einreichung UVP-Antrag: Oktober 2025
Öffentliche Auflage Antragsunterlagen: März 2026
Öffentliche Auflage Umweltverträglichkeitsgutachten: Juni 2026
Mündliche Verhandlung: September 2026
Erwarteter Genehmigungsbescheid: Ende 2026
Möglicher Baubeginn: ab 2027
Geplante Inbetriebnahme: 2029
Die Rondo Ganahl AG benötigt rund 140 GWh pro Jahr allein an thermischer Energie. Das entspricht dem Energiebedarf von ca. 10.000 Vorarlberger Haushalten. Die Papiererzeugung ist eine energieintensive Branche. Die benötigte Prozesswärme wird derzeit mit Erdgas erzeugt. Erdgas ist ein fossiler Energieträger, der in Österreich größtenteils importiert wird und damit mit externen Abhängigkeiten verbunden ist.
Ein Teil des eingesetzten Materials besteht aus rund 12.000 Tonnen Wert- und Reststoffen, die direkt bei der Papiererzeugung am Standort anfallen. Diese Reststoffe müssen derzeit zur Verwertung nach Deutschland und in die Schweiz transportiert werden.
Darüber hinaus werden unbedenkliche, gewerbliche Reststoffe von Unternehmen aus Vorarlberg eingesetzt. Dabei handelt es sich um Reststoffe heimischer Betriebe, die bereits heute anfallen, von regionalen Recyclingunternehmen gesammelt und für eine energetische Verwertung aufbereitet werden.
Die erforderliche Menge steht in Vorarlberg zur Verfügung.
Der Brennstoffbedarf im Normalbetrieb liegt bei 82.000 Tonnen pro Jahr (Brennstoffzusammensetzung: unbedenkliche Reststoffe, Ersatzbrennstoffe und Biomasse, Rejekte und Faserschlamm). Die beantragte Maximalmenge von 122.000 Tonnen pro Jahr entspricht der technischen Obergrenze und wird als Maximalansatz für die Beurteilung der Umweltverträglichkeit herangezogen. Die Umweltverträglichkeit wird für diesen Maximalansatz geprüft – tatsächlich wird aber deutlich weniger Brennstoff eingesetzt.
In früheren Planungen (AWG-Verfahren) wurde mit einer Brennstoffmenge von 85.000 Tonnen pro Jahr gerechnet, davon waren 34.650 Tonnen unbedenkliche Reststoffe und Ersatzbrennstoffe - darüber hinaus sollte Biomasse eingesetzt werden.
Gut zu wissen: Ein Teil der eigenen Reststoffe aus der Papierherstellung kann einen höheren Heizwert als zugekaufte Reststoffe haben – oder auch umgekehrt. Wenn also gerade Brennstoffe mit höheren Heizwerten vorhanden sind, sinkt die Gesamt-Brennstoffmenge.
Es werden ausschließlich sorgfältig aufbereitete, geeignete Reststoffe thermisch verwertet. Zum Einsatz kommen nur vorkonfektionierte Brennstoffe, darunter unbedenkliche Reststoffe, Ersatzbrennstoffe sowie Biomasse. Es findet keine Brennstoffaufbereitung vor Ort statt. Die Annahme von gemischten Siedlungsabfällen („Schwarzer Sack und Gelber Sack“) ist ausdrücklich ausgeschlossen und technisch NICHT möglich.
Die Brennstofflagerung ist auf ein betrieblich notwendiges Minimum beschränkt. Die Lagerkapazität ist so ausgelegt, dass ein Betrieb über ein verlängertes Wochenende ohne Anlieferung möglich ist.
Zur Sicherstellung einer konstant hohen Brennstoffqualität wird ein umfassendes Qualitätskontroll- und Qualitätssicherungskonzept umgesetzt. Dieses enthält die Festlegung klarer Annahmekriterien, basierend auf chemisch-physikalischen Parametern, sowie regelmäßige Probenahmen und externe Analysen. So wird gewährleistet, dass ausschließlich Brennstoffe verwendet werden, die den genehmigten und umweltrechtlichen Anforderungen entsprechen.
Bevor der Kessel in Betrieb genommen werden kann, muss dieser kontrolliert und schrittweise mit Gas auf die entsprechende Betriebstemperatur aufgeheizt werden. Das ist auch unbedingt notwendig und gesetzlich vorgeschrieben. Denn würden die Reststoffe beim Hochfahren des Kraftwerks ohne Vorwärmung in die Feuerung gegeben, würden sie langsamer reagieren und es würde dadurch zu ineffizienten Verbrennungsprozessen kommen.
Gleichzeitig gilt es, die Papierfabrik mit Dampf zu versorgen. Die geplante, größere Gasleitung ist also nicht auf einen höheren Verbrauch zurückzuführen, sondern auf das Anheizen des Kessels sowie auf die Sicherstellung des laufenden Betriebs der Papierfabrik – sofern das Kraftwerk kurzzeitig ausgeschalten sein sollte.
Dazu ein einfaches Beispiel aus dem Alltag: Wenn eine Person die Hände waschen und parallel dazu das Wasser in der Dusche einschalten möchte, braucht es eine entsprechend große Leitung. Genauso ist es auch bei der Gasleitung.
Der Rondo Ganahl AG ist es ein großes Anliegen, die Auswirkungen auf die Natur und Umwelt so gering wie möglich zu halten. Dort, wo Eingriffe notwendig sind, werden entsprechende Ausgleichsmaßnahmen umgesetzt sowie durch eine qualifizierte Umweltbaubegleitung überwacht und dokumentiert:
Vor Beginn der Bauarbeiten erfolgt der Bestandschutz und die eindeutige Kennzeichnung aller Schutzflächen, um Beeinträchtigungen sensibler Lebensräume zu vermeiden. Für ökologisch besonders wertvolle Bereiche, insbesondere die Streuwiese, gelten Bauzeiteinschränkungen, um sensible Vegetations- und Entwicklungsphasen zu schützen. Die Baufeldfreimachung in Streuwiesen- und Uferbereichen erfolgt schonend und unter fachlicher Aufsicht.
Um die Ausbreitung fremder Pflanzenarten zu verhindern, wird ein gezieltes Neophytenpräventions- und Neophytenmanagement umgesetzt. Hochwertige Rasensoden aus Magerwiesen sowie Riedsoden werden fachgerecht geborgen, zwischengelagert und nach Abschluss der Bauarbeiten wieder aufgebracht bzw. verpflanzt.
Nach Abschluss der Bauarbeiten werden die beanspruchten Flächen rekultiviert. Dies erfolgt einerseits durch standortgerechte Einsaaten, andererseits durch Gehölzpflanzungen mit heimischen Arten. Ergänzend dazu werden neue Lebensräume geschaffen, darunter die Neuanlage von Pfeifengraswiesen sowie artenreicher Wiesen.
Zur langfristigen Sicherung der ökologischen Qualität der Streuwiese ist eine regelmäßige Pflegemahd vorgesehen. Darüber hinaus werden bestehende Gewässerlebensräume durch die Renaturierung des Gießenbach-Zubringers sowie die Wiederherstellung des Frastanzer Weihers ökologisch aufgewertet.
Die Wirksamkeit der Maßnahmen wird durch ein fortlaufendes Monitoring der Streuwiese überprüft. Die Ergebnisse dienen als Grundlage für eine adaptive Nachsteuerung der Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen.
Inversionswetterlagen, also Wettersituationen, bei denen kalte Luft in Bodennähe von wärmerer Luft eingeschlossen wird und sich Schadstoffe nicht verteilen können, werden bei der Planung ausdrücklich berücksichtigt. Alle gesetzlichen Grenzwerte werden laut Gutachten auch in diesen windstillen Situationen deutlich unterschritten. Zur Berechnung wird ein behördlich anerkanntes Berechnungsmodell eingesetzt, das speziell für solche Wetterlagen im Alpenraum entwickelt wurde.
Dem Schutz des Grundwassers gilt besonderes Augenmerk: Das Bauwerk wird – wie bereits beim bestehenden Hochregallager der Rondo Ganahl AG – nach dem bewährten Prinzip der „Weißen Wanne“ wasserundurchlässig ausgeführt. Eine Gefährdung des Schutzguts Grundwasser ist ausgeschlossen.
Für die Umweltverträglichkeitsprüfung werden maximal 37 Lkw pro Tag angenommen. Im Landesstraßennetz betragen die vorhabensbedingten Veränderungen rund 1 Prozent, von welchen keine negativen Auswirkungen zu erwarten sind. Dabei wurde von einer Anlieferung der Brennstoffe ausschließlich mittels konventioneller Lkw ausgegangen, um mögliche Auswirkungen nicht zu unterschätzen.
Der Einsatz von Elektro-Lkw wurde nicht gesondert berücksichtigt, da dieser keine relevanten Auswirkungen auf die Beurteilung der Umweltverträglichkeit hat und derzeit nicht als verlässliche Planungsgrundlage angenommen werden kann. Der Betrieb der Anlage ist auf den Einsatz von Sattelzugfahrzeugen angewiesen. Der Markt für Elektro-Sattelzugfahrzeuge ist aktuell noch stark eingeschränkt. Stand 31.12.2025 sind in Vorarlberg lediglich 15 und in ganz Österreich rund 197 elektrische, schwere Sattelzugfahrzeuge im Einsatz, sodass von einer flächendeckenden Verfügbarkeit nicht ausgegangen werden kann.
Eine Bahnanlieferung der Brennstoffe wurde im Rahmen der Standort- und Variantenprüfung ebenfalls analysiert. Am Anlagenstandort besteht allerdings kein Bahnanschluss. Vorgelagerte Transport- und Umschlagsprozesse, wie etwa eine Bahnanlieferung zu einem Entsorgungsbetrieb, liegen außerhalb des Untersuchungsraums der UVP und unterliegen den Genehmigungen der jeweiligen Betreiber. Diese Prozesse sind daher nicht Bestandteil der verkehrlichen Bewertung des gegenständlichen Vorhabens.
Es wird auf eine Rauchgasreinigung nach dem aktuellen Stand der Technik gesetzt, um Emissionen auf ein Minimum zu reduzieren. Durch den Einsatz moderner Anlagenkomponenten werden sehr niedrige Emissionswerte erreicht, die die geltenden gesetzlichen Anforderungen deutlich unterschreiten. Die Einhaltung der Emissionsgrenzwerte wird zusätzlich durch eine externe Überwachung sowie regelmäßige Prüfungen durch zertifizierte, unabhängige Gutachter sichergestellt. Darüber hinaus erfolgt eine kontinuierliche Emissionsmessung während des Betriebs. Die erfassten Messdaten werden laufend dokumentiert und an die zuständige Behörde übermittelt, wodurch Transparenz und eine dauerhafte Kontrolle der Emissionen gewährleistet sind.
Geruchsbelästigungen sind keine zu erwarten. Die Lagerung des Brennstoffs erfolgt in einem geschlossenen Bauwerk. Dieser so genannte Brennstoffbunker wird im Unterdruck betrieben, sodass Geruchsemissionen ausgeschlossen werden können. Außerdem werden ausschließlich aufbereitete Brennstoffe eingesetzt.
Wir beantworten sie gerne.
Energieautonomie Frastanz
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